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On the Brink

15 November 2011 No Comment

Der Abgrund
In der neuen viralen Kampagne des europäischen Sozialfonds werden simple Bilder genutzt, um existenzielle Ängste anzusprechen. Zum Einen das soziale Stigma der Arbeitslosigkeit – ist man nicht mehr in der Lage im Gleichschritt mit der Menge mitzuhalten, steht man alleine. Die Welt wendet sich gegen das Individuum welches, auf sich gestellt nicht lebensfähig ist. In der Bildersprache des viralen Videos “On the Brink” stehen hier die Joggergruppe, mit der man nicht mehr mithalten kann, graue, abweisende Wände, an denen man keinen Halt findet, der kalte Wind, der der Arbeitslosen ins Gesicht bläst und die Einsamkeit – völlig allein in einer wolkenkratzenden Stadt.
Doch damit ist der Schrecken noch nicht zu Ende, denn urplötzlich öffnet sich die Erde, ein Spalt frisst sich durch den Asphalt auf die Arbeitslose zu, droht sie zu verschlingen. Wenn sie letztendlich das Gleichgewicht verliert und das Bild in eine Slow-Motion variiert, erscheint die Frage “Ist dies das Ende?”. Um die Auflösung dieser, an einen Horrorfilm erinnernden Szene zu sehen muss man einen Link anklicken. Man wird weitergeleitet auf die Seite des Europäischen Sozialfonds, wo in wenigen Sekunden gezeigt wird wie sich der Spalt schließt und, während an den Bäumen wieder Blätter sprießen, die arbeitslose Frau lächelnd zur joggenden Gruppe aufschließt. Dies wird begleitet von dem Schriftzug “Auf dem Weg zurück zur Arbeit”.


Die Aussätzigen
Man kann sagen, dass das Video die Stigmata unterstützt, welche mit Arbeitslosigkeit verbunden werden. Urängste, wie der Verlust des Rechts am Leben teilzunehmen, wenn man nicht mehr ein Teil des produktiven Kollektivs ist, werden nicht nur ignoriert, sondern in expliziter Form unterstützt.
Gerade in einer Zeit, wo Beschäftigung meist nicht am Willen des Einzelnen scheitert, sondern wirtschaftliche Umstände für viele keine Wahl offen lassen, sollte man vorsichtiger sein mit Veröffentlichungen und den Botschaften, welche damit verbreitet.

Unterm Strich bleibt zu sagen, dass den unterstützenswerten Aktionen des ESF ein weniger dogmatisches Video zustehen würde.

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